Zypresse – der Baum der Übergänge

Zypresse+Baumstamm-webGilt der Zedernbaum als König der Bäume, so ist die Zypresse die Königin. Die Zeder steht für männliche Energie, ihr Pendant ist die weibliche Energie der Zypresse. Auch die Zypresse, die bis zu 2000 Jahre alt werden kann, wurde in alter Zeit als Baum mit göttlicher Kraft verehrt.

Die Zypresse (Cupressus sempervirens), ein immergrünes Nadelgewächs, stammt ursprünglich aus Kleinasien, auch wenn die schlanken, konisch zulaufenden, hochaufragenden Bäume heute mit Bildern aus der Toskana verbunden werden. Da der Baum in der Antike zuerst nach Zypern gebracht worden sein soll, wurde er nach dieser Mittelmeerinsel benannt. Das Holz der Zypresse ist sehr haltbar, deshalb nutzte man es schon in der Antike beim Bau von Tempeln (Jes 60,13) und im Schiffsbau. Aber auch besondere Möbel, Sarkophage und Götterfiguren erstellte man aus diesem beständigen Holz. Das Portal des Petersdoms in Rom, bereits 1200 Jahre alt, wurde ebenfalls aus Zypressenholz gemacht.

Auch Zypressenöl destilliert man schon im Altertum aus Zweigen und Zapfen. Papyrusrollen verweisen auf die medizinische Nutzung des Öls bei allen Arten von Atemwegserkrankungen. Es war damals als Frauenöl beliebt, glaubte man doch an seine große Wirksamkeit bei Menstruationsstörungen, starken Blutungen, aber auch bei allen möglichen Beschwerden im Klimaterium wie Hitzewallungen etc.

In der Volksmedizin wurde Zypressenöl wegen seiner adstringierenden Wirkung bei Ödemen einsetzt sowie zur Verbesserung des Lymphflusses, als Leberstärkungsmittel und als Erste Hilfe bei Frostbeulen oder Krampfadern. In Heilerkreisen ist es heute noch beliebt bei feuchter, fettiger Haut, bei schwachem oder verschlacktem Bindegewebe (Zellulitis)und zur Stärkung der Bauchspeicheldrüse.
Zypressenöl ist ein wohltuender Begleiter der Körperpflege. Es enthält einen hohen Anteil an Monoterpenen (28%).
Eine Massage mit diesem Öl belebt Muskulatur und Gelenke, wirkt durchblutungsfördernd und stärkt damit auch das Immunsystem.

Der feine, weiche, frisch-grüne Duft der Zypresse wirkt erdend, nervenstärkend, aufrichtend und fördert die Konzentration auf das Wesentliche.
In Situationen emotionaler Verwirrung stabilisiert uns die Zypresse. Es ist ein Öl für Menschen, die sich gern ablenken lassen und gedanklich flüchten.
Zypressenöl verbindet uns mit der Kraft der Erde, es gibt uns ein Gefühl von Sicherheit. Zypresse ist ein Öl in Zeiten des Übergangs, sei es Berufswechsel, neue Lebensabschnitte, Umzug – oder Abschied. Die Essenz kann uns helfen, den Fluss des Lebens, auch in seinen traumatischen Phasen, leichter zu akzeptieren. (Tipp: Trage das Öl auf dem ‚Milzpunkt’ unterhalb des linken Brustkorbes auf.)
Da die Zypresse das ‚Annehmen und Loslassen‘ fördert, ist Zypressenöl auch bei Trauer- und Sterbegleitung ein willkommener Helfer.

Die in vielen Kulturen als heilig verehrte Zypresse gilt – vielleicht wegen ihrer schlanken, hoch aufragenden Form – als Baum des Durchgangs, der den Verstorbenen den Weg in den Himmel zeigen und die Lebenden an ihre begrenzte Verweildauer auf der Erde erinnern soll.
Die Bezeichnung ‚sempervirens = immerwährend‘ verweist auf die immergrünen Blätter der Zypresse, die den Baum auch zu einem Symbol für das Weiterleben nach dem Tod gemacht haben. Ihr spirituelles Thema ist ‚Übergang – Verwandlung – Neubeginn‘. So war sie Lebens- und Totenbaum zugleich.
Im antiken Griechenland wehte man den Zypressenbaum dem Gott der Unterwelt, Hades (röm.: Pluto). Man assoziierte ihn mit Tod und Ewigkeit.
Hildegard von Bingen schreibt in einem ihrer Traktate: „Die Zypresse birgt das Geheimnis Gottes.“
Der Duft der Zypresse fördert den spirituellen Prozess der Sinnfindung – auch wenn es heißt, den Sinn von Leid besser zu verstehen. Sie steigert unsere empathischen Fähigkeiten. Sie entkoppelt uns von ‚Anhaftungen’, erleichtert es uns, unseren ganz eigenen Lebensweg zu gehen. Zypressenöl ist eine ideales Unterstützungs- und Schutzessenz für alle, die heilerisch, betreuend oder pflegerisch tätig sind.
Die Zypresse hilft uns inneren Frieden im Leben zu finden.

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P.S.: Eine Kopie aller Briefe zu den bisher 9 Rauhnächten findest Du hier.

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